Quartiersnahe Zentren: Passend planen und bauen

Auszug Fachbericht "Häusliche Pflege" 11.2018

DER AUFBAU QUARTIERSNAHER ZENTREN TRÄGT ZUR SICHERSTELLUNG DER VERSORGUNG ÄLTERER HILFE- UND PFLEGEBEDÜRFTIGER MENSCHEN BEI. BEI DER PLANUNG SOLLTE KONZEPTIONELL MEHR AUF INHALTE, ZU­STÄNDIGKEITEN UND ABLÄUFE GEACHTET WERDEN. AUF DER BASIS EINES AUSGEREIFTEN KONZEPTES

 

Die Pflegereformen der letzten Jahre förderten den Grundsatz ambulant vor stationär, unter anderem durch eine erhöhte fi­nanzielle Unterstützung Pflegebedürftiger für die Inanspruch­nahme ambulanter und teilstationären Angebote. Das führte dazu, dass in den letzten Jahren intensiv im Aufbau ambulanter Versorgungsstruk­tur investiert wurde. 

Zukünftig benötigen wir vermehrt tragfähige ambulante Versor­gungskonzepte. Konzepte, die die Heterogenität des Bedarfs und der Lebenslagen der älteren Bevölkerung berücksichtigen und eine um­fassende, wohnortnahe Versorgung und Pflege zugänglich machen. Entsprechende Konzepte sollten zudem der Prämisse „ambulant vor stationär“ folgen, auf den Erhalt von Autonomie und Teilhabe zielen und ein breites Spektrum an Dienstleistungen beinhalten − angefan­gen bei niedrigschwelliger Unterstützung bis hin zu einer kontinuierli­chen gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung.

 

INHALTLICHES KONZEPT IM VORELD DER PLANUNG

Die Realisierung eines Quartierszentrums erfordert im Vorfeld der Pla­nung konkrete inhaltliche Konzeptionen. Neben der Zielgruppe und den Leistungsangeboten sollten auch die Abläufe und Zuständigkeiten ge­klärt werden. Ausgehend von der Konzeption und des Nachweises ei­nes konkreten Bedarfs für ein Quartierszentrums sollte dann in einem weiteren Schritt ein Raumprogramm erstellt werden. Hierbei ist die Mit- und Mehrfachnutzung der Räumlichkeiten sowie ein Angebot von Gemeinschaftsräumen und -einrichtungen zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere für die Räumlichkeiten der Tagespflege und der Begeg­nungsstätte beziehungsweise des Mietertreffs.

Neben der langfristigen Sicherstellung der pflegerischen Versorgung von Mietern und Bewohnern des Stadtteils sollen Quartierszentren un­ter anderem zur sozialen und Identität des Stadtteils beitragen und ein Ort der Begegnung und der Teilhabe für Bewohner werden, ausreichend Platz für niedrigschwellige Beratungs- und Betreuungs­angebote vorhalten, Räume zum Beispiel für Stadtteilgruppen und -initiativen, Vereine, private Feste und Stadtteilaktivitäten schaffen und das Miteinander von Alt und Jung ermöglichen.

Diese Kriterien erfüllen leider nicht alle Quartierszentren. Es wurden zwar entsprechende Gebäude geschaffen, sie sind aber nicht immer an den Bedürfnissen der Bewohner ausgerichtet. Das gilt für die konzep­tionelle Ausarbeitung und insbesondere für die Planung der Räumlich­keiten.

Quartierszentren sollten möglichst aus bedarfsgerechten Seniorenwoh­nungen/ambulanten Wohngemeinschaften, zusätzlichen Räumlich­keiten für eine Tagespflege, Begegnungsstätte/Mietertreff und einem ambulanten Pflegestützpunkten bestehen. Um die Kosten für die Bau­maßnahmen in Grenzen zu halten, sollten bei den Räumlichkeiten Syn­ergieeffekte genutzt werden. Das gilt unter anderen für die Diensträume der Mitarbeiter (Personal-WC, Umkleideräume, Pausenräume) entspre­chend der Arbeitsstättenverordnung sowie der Abstellräume.

 

PFLEGERISCHE UND SOZIALE RÄUMLICHKEITEN

Allgemein sollten sich pflegerische und soziale Räumlichkeiten (Tages­pflege, Begegnungsstätte/Mietertreff und ambulanter Pflegestützpunkt) im Erdgeschoss befinden. Bei allen Einrichtungen handelt es sich um eigenständige Einrichtungen, die über einen eigenen Zugang verfügen müssen. Sinnvoll ist es, dass über einen zentralen Flur alle Angebote erreichbar sind.  ·                    

Begegnungsstätte/Mietertreff

Je nach Anzahl der Wohnungen, des Umfangs des zukünftigen Leistungs­angebotes, (abhängig von der Konzeption), der Grundstücksgröße und der finanziellen Möglichkeiten sollte die Begegnungsstätte/der Mieter­treff über ausreichend Räumlichkeiten verfügen.

 

Ambulanter Pflegestützpunkt

Bei einen ambulanten Pflegestützpunkt stellt sich die Frage, ob es sich um einen eigenständigen ambulanten Pflegedienst handelt, mit zusätzlich Räumlichkeiten für Beratungsangebote oder nur um einen Beratungsstützpunkt. Je nach Konzeption müssen hierfür zirka 30 bis 140 Quadratmeter eingeplant werden.

 

Tagespflege

Beim Raumprogramm der Tagespflege sind die Anforderungen in den letzten Jahren erheblich gestiegen: Zum einen sind die gesetzlichen An­forderungen beim Neubau einer Tagespflege gestiegen (landesrechtliche Raumanforderungen, Brandschutz, Hygieneanforderungen usw.), zum anderen hat sich die Struktur der Tagespflegegäste, besonders seit Ein­führung des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG) verändert. Wir haben es in Tagespflegeeinrichtungen mit einer sehr heterogenen Gruppe zu tun. Die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen sowie die betreuerischen und pflege­rischen Anforderungen an die Gäste sind dadurch sehr unterschiedlich. Es muss die Möglichkeit geschaffen werden, mehr auf die Individualität und auf die Fähigkeiten der Gäste eingegangen werden. Größtenteils wird noch immer das Raumangebot der 1990er Jahre zugrunde gelegt; und zwar unabhängig davon, ob die Tagespflege zwölf oder 40 Plätze hat. Bei einer hohen Platzzahl wurde das Raumprogramm kleiner Einrichtungen oftmals nur hinsichtlich der Quadratmeterzahl angepasst, ohne auf die Notwendigkeit zusätzlicher Räumlichkeiten zu achten.

Losgelöst von den landestypischen gesetzlichen Vorgaben hängt das Raumangebot einer Tagespflege im hohen Maße von der Platzzahl und der konzeptionellen Ausrichtung ab. Noch mehr als in den Jahren zuvor muss vor der Raumplanung eine Konzeption erstellt werden. Darin muss unter anderem die Zielgruppe einer Tagespflege deutlich werden. Sollen Pflegebedürftige unterschiedlicher Pflegegrade aufgenommen werden oder handelt es sich um eine Schwerpunkteinrichtung? Ist die Tages­pflege eingebettet in einen Quartierszentrum auf dem Lande oder in der Stadt? Handelt es sich um ein Verbundsystem mit einer vollstationären Pflegeeinrichtung o d e r um eine Tagespflege im Verbund mit Wohnun­gen und einen ambulanten Pflegedienst o d e r um eine Solitäreinrich­tung? Wieviel Plätze soll die Tagespflege haben?

Tagespflege ist zwar gesetzlich betrachtet eine Pflegeeinrichtung, sollte aber wie eine Wohnung mit zusätzlichen Funktionsräumen geplant wer­den. Bei den in einzelnen Bundesländern vorgegebenen Raumangebo­ten handelt es sich nur um Rahmenbedingungen, die entsprechend den Bedürfnissen und Strukturen angepasst werden müssen.  

In den Bundesländern in dem kein konkretes Raumprogramm vorge­schrieben ist, werden die Empfehlungen des Kuratoriums Deutsche Al­tershilfe (KDA) zugrunde gelegt. Der vom KDA vorgegebene Raumbe­darf von 18 Quadratmeter Nutzfläche pro Platz reicht allerdings heute nicht mehr aus. Die Gästestruktur hat sich zu sehr verändert: Seit Ein­führung des PSG II hat der Anteil männlicher Gäste und immobiler Gäste zugenommen und findet eine größeren Differenzierung zwischen den Pflegegraden 1 bis 5 statt. 

Aufgrund der sehr heterogenen Gästestruktur muss schon im Vorfeld der Planung überlegt werden, welche Zielgruppen in einer Tagespflege aufgenommen werden sollen. Wenn alle pflegebedürftigen Menschen mit unterschiedlichen Pflegegraden aufgenommen werden sollen, muss das Raumangebot auch der unterschiedlichen Gästestruktur angepasst werden (siehe auch Tabelle auf Seite xx). Hier muss schon bei der Kon­zepterstellung überlegt werden, ob zum Beispiel demenziell Erkrankte in eine Gruppe mit nicht demenziell Erkrankten integriert werden oder ob die Gäste nach Fähigkeiten, Bedürfnissen und Auffälligkeiten getrennt betreut werden.

Das bedeutet, dass Tagespflegen mit mehr als 16 Plätzen über zwei mög­lichst identische Aufenthaltsbereiche mit eigener Küche verfügen sollten. Vergleichbar dem Wohn- oder Hausgemeinschaftsprinzip. Das bedeutet konkret, dass jede Gruppe über folgende Räumlichkeiten verfügt:

·                    Wohn- und Essbereich,

·                    Ruheraum und einer

·                    Küche mit einem eigenen kleinen Abstellraum.

Funktionsräume, wie Toiletten, Pflegebad, Garderobe usw. werden von beiden Gruppen gemeinsam genutzt.

Der Vorteil von zwei eigenständigen Aufenthalts- und Wohnbereichen ist., dass die Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten beginnen können. Eine Gruppe beginnt um 8.00 Uhr, die zweite Gruppe erst um 9.00 Uhr. Bei einem unterschiedlichen Beginn kann der Transport wirtschaftlicher geplant werden: Zum einen werden weniger Fahrzeuge benötigt, zum anderen ist es möglich, individueller auf einzelne Gäste eingehen zu können.