Tagespflege auf dem Land

Auszug Fachbericht "TP - Tagespflege" vom 02.2019

  

INSBESONDERE IM LÄNDLICHEN RAUM fehlt es an Tagespflegeeinrichtungen im Verbund mit Wohngemeinschaften und/oder Seniorenwohnungen. Hinzu kommen vielerorts infrastrukturelle Defizite. Es droht der Ausschluss hochaltriger Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben. Es ist an der Zeit kreative Projekte zu starten.

Bundesweit nimmt die Zahl der Tagespflegeeinrichtungen kontinuierlich zu. Im städtischen Raum kann sicherlich in den nächsten Jahren mit einer Bedarfsdeckung gerechnet werden. Hingegen der Anteil an Tagespflegeeinrichtungen im ländlichen Raum noch verhältnismäßig gering ist, obwohl gerade in vielen ländlichen Regionen die Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen in den nächsten Jahren überproportional steigen wird. Ländliche Regionen werden leider noch immer in vielen Bereichen benachteiligt. Ländliche Räume müssen bereits jetzt und auch zukünftig als Brennpunkte des demografischen Wandels besonders betrachtet werden.

Viele ländliche Regionen sind aufgrund ihrer Infrastruktur – d. h. schlechte Verkehrsanbindungen, geringe Angebotsdichte an kulturellen und sozialen Einrichtungen, oftmals fehlende Lebensmittelläden und rückläufiger Hausarztdichte in vielen Versorgungsbereichen benachteiligt.  

 

DEFIZITE DURCH FÖRDERPROGRAMME AUSGLEICHEN

Die Ungleichheiten zwischen Stadt und Land betrifft auch den Bereich der Pflege.    Es gibt zwar im ländlichen Rau eine ausreichende quantitative ambulante Pflegeangebote, auch gibt es in den sogenannten Mittelzentren ausreichend vollstationäre Pflegeangebote, aber in kleinen Kommunen (unter 5.000 Einwohner) fehlt es an vernetzten, abgestuften Wohn- und Pflegeangeboten. Ältere Pflegebedürftige sind oftmals von der Hilfe der Angehörigen abhängig. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist sehr eingeschränkt.

Die Probleme sind allen betroffenen Politikern bekannt.  Durch gezielte Förderprogramme in einzelnen  Bundesländern  wird versucht, infrastrukturelle Defizite auszugleichen.   Was den Bereich Pflege anbelangt, sind noch erhebliche Verbesserungen notwendig.  Das betrifft besonders die ambulante Versorgung:

In fast allen Ballungsgebieten entstehen immer mehr Quartierszentren. Im ländlichen Bereich verläuft die Entwicklung noch etwas langsamer. Dabei würde gerade der Aufbau von Quartierszentren im ländlichen Raum   dazu beitragen, dass Pflegebedürftige in den Dörfern verbleiben können und ihre sozialen Kontakte nicht verlieren. Quartierzentren auf dem Lande tragen zur qualitativen Verbesserung der ambulanten Versorgung Pflegebedürftiger bei.

 

ENGE KOOPERATIONEN MIT DEN KOMMUNEN ERFORDERLICH

Es bestehen  große Unterschiede zwischen den städtischen und ländlichen Raum. Ländliche Lebensstile sind natur-, traditions-, familien- und handlungsorientiert (Henkel 2009). Die ländliche Kultur ist persönlicher und konkreter als die städtische und durch Handeln und ein ständiges Geben und Nehmen charakterisiert („Aktivkultur“).  Verwandtschafts- und Nachbarschaftshilfe, Engagement in Vereinen und Kirchen sowie Brauchtumspflege spielen im Zusammenleben eine wichtige Rolle und tragen zur Identität inden Dörfern bei.  Konkret bedeutet das, dass Träger von Altenhilfeeinrichtungen im ländlichen Raum sich intensiv mit der sozioökonomischen Situation vor Ort auseinandersetzen müssen. Enge Kooperationen mit den Kommunen, Kirchengemeinden und Selbsthilfegruppen sind zwingend erforderlich.

 

TAGESPFLEGE IST WICHTIGES MODUL IM AMBULANTEN VERSORGUNGSNETZ

Was hat das mit Tagespflegeeinrichtungen zu tun? Gerade in strukturschwächeren Regionen tragen Tagespflegeeinrichtungen in Verbund mit Wohngemeinschaften und/oder Seniorenwohnungen zur Stabilität der ambulanten Versorgung bei. Die Tagespflege ist ein wichtiges Modul im ambulanten Versorgungsnetz und oftmals Kommunikationstreffpunkt für ältere pflegebedürfte Menschen. Viele der älteren Pflegebedürftigen kennen sich seit Jahrzehnten. Es bestehen enge soziale Verbindungen.  Mit den Besuch der Tagespflege können Gäste somit noch aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.  

Tagespflegeeinrichtungen im ländlichen Raum unterscheide sich hinsichtlich der Größe und der Gästestruktur erheblich von teilstationären Einrichtungen im städtischen Bereich. Ländliche Tagespflegeeinrichtungen sind oftmals mehr im Gemeinwesen eingebunden.  Im ländlichen Raum, besonders in kleineren Ortschaften werden keine Tagespflegeeinrichtungen mit 20 Plätzen und mehr benötigt, sondern kleine Einheiten von 12 bis 15  Plätzen. Hinsichtlich des langen Anfahrtsweges ist es sinnvoll in mehreren Dörfern kleine Tagespflegeeinrichtungen mit unterschiedlichen Angeboten und Schwerpunkten zu eröffnen. Das spart u.a. Fahrzeiten.  Kleine Tagespflegeeinrichtungen  im Verbund können oftmals die organisatorischen und wirtschaftlichen Synergieeffekte nutzen (z.B. Fahrdienst, Personalpool usw.). Hinzu kommt, dass in kleinen Kommunen oftmals noch geeignete Bestandsimmobilien, wie beispielsweise nicht genutzte Schulen, Bauernhäuser, Gasthäuser vorhanden sind. Auch sind die Entstehungskosten von Neuimmobilien, aufgrund günstigerer Grundstückspreise geringer.  Nach meinen bisherigen Erfahrungen ist die Realisierung in vielen ländlichen Kommunen leichter, da  die behördlichen Auflagen bei der Errichtung von kleineren Tagespflegeeinrichtungen nicht so aufwendig sind (wie z.B. Bauauflagen, Hygieneanforderungen usw.) .

 

PROJEKTE SOLLEN ZUSAMMENLEBEN IN DER GEMEINDE VERBESSERN

Eine Voraussetzung für den Aufbau von Tagespflegeeinrichtungen oder auch Quartierszentren im ländlichen Raum ist es, dass der Träger sich in das Gemeindeleben integriert und    mit den Kommunen und Bürgervereinen eng kooperiert und ein Verbundsystem aufbauen.  Aufgrund des bürgerschaftlichen Engagements entstehen in vielen Dörfern interessante Initiativen wie „Generationsübergreifende Vereine“, „Bürger helfen Bürger“. Es entstehen selbst initiierte Dorfläden, Angebote von Fahrdiensten, Begegnungsstätten/Kulturtreffs. Diese Projekte fördern das gemeinschaftliche Zusammenleben und tragen ein wenig dazu bei, dass Dörfer wieder lebenswert werden.   Diese niedrigschwelligen Angebote sind sehr wichtig für die Teilhabe älterer Menschen am Gemeinschaftsleben.

Zusätzliche Angebote der Pflege- und Betreuung würden das Angebot komplementieren. Gefragt ist Kreativität und Engagement!